Herzhaft leben

Tun und lassen, was du wirklich willst

«Wo kämen wir denn da hin, wenn jeder einfach machen würde, was ihm passt!» oder ähnliche eingeschliffene Reaktionen mag die obige Aussage unwillkürlich in unseren Köpfen hervorrufen. Tief in vielen von uns sitzende Überzeugungen suggerieren uns, dass wir uns nach bestimmten moralischen Richtlinien verhalten sollten. Eine der am weitesten verbreiteten: Sich selbst für wichtig nehmen ist egoistisch. Ich begegne diesem fatalen Missverständnis regelmässig bei Menschen, mit denen ich arbeite. Als Teil einer unbewussten Haltung untergräbt es das Selbstvertrauen und schneidet uns von der Verbindung zu unserer Essenz ab.

Wie weit dieses «Ideal» einem verzerrten christlichen Nächstenliebe-Anspruch oder anderen Quellen entspringt, sei dahingestellt. Tatsache ist, dass es uns ein halbes Leben lang unter Druck setzen und in innere Konflikte bringen kann, wenn es unreflektiert seine Wirkung tut. Mich selber hat es in jüngster Zeit beinahe in ein Burnout getrieben, da es mich verleitet hat, Verpflichtungen anderen gegenüber mehr Bedeutung zu geben als meinem Bedürfnis nach Raum, Ausdehnung, Stressfreiheit und Spiel. Es hat einigen Leidensdruck benötigt, bis ich mich in dieser Hinsicht wirklich ernst genommen habe.

«Ufs Härz lose»

Wir haben eine Instanz in uns, die uns Zugang zu innerer Weisheit und zu Liebe und Verständnis uns selbst (und anderen) gegenüber gewährt – wenn wir auf sie horchen. Sie ist landläufig bekannt unter dem etwas überstrapazierten Begriff «Herz», meint allerdings bedeutend mehr als das rote Organ in unserer Brust. Immerhin: Das physische Herz ist unser unverzichtbarer Lebensmotor, und das Herzchakra stellt das persönliche Tor zur allgegenwärtigen Energie der Liebe dar. Ohne Herz geht gar nichts. Und ohne innigen Kontakt zu unserem Herzen im weitesten Sinn finden wir nicht nach Hause in uns.

Doch wie können wir denn diese unglaubliche Quelle im Alltag verfügbar machen? «Ufs Härz lose» pflegen wir zu sagen. Wie kann es uns gelingen, an all den inneren Zeigefinger-Bastio-nen, unseren erlernten «Idealen», vorbeizuhorchen und wieder zu lernen, Vertrauen in das aufzubauen, was für uns selbst wirklich wichtig ist und sich «im Herzen richtig» anfühlt?

Konkret werden

Du hast mehr von den nachfolgenden Fragen und Impulsen, wenn du gleich konkret wirst und ein aktuelles Beispiel aus deinem Leben wählst. Nimm dir einen Moment Zeit, um auf deine wichtigsten Lebensbereiche zu schauen wie Partnerschaft und Freundschaften, Wohnen, dein Körper, Sexualität, Beruf und kreativer Ausdruck, Lebenssinn/Spiritualität. Wo bist du unglücklich, unzufrieden? Wo lebst du nicht das, was du wirklich willst? Wo lässt du etwas nicht los, obschon es dir nicht gut tut?

Es ist eine Herausforderung, hier ehrlich hinzuschauen, weil mit belasteten Bereichen oft Schmerz, Unmut oder Frustration verbunden ist. Nimm für den Anfang nicht dein grösstes Lebens­thema. Wähle etwas «Kleines». Nichts ist zu unbedeutend, um es ernst zu nehmen und in diesem Licht anzuschauen.

1. Auswirkungen wahrnehmen

Wie zeigt sich diese Unstimmigkeit in deinem Leben – in deinen Gefühlen und Stimmungen, deinem Körper, deinem Verhalten, deiner Kommunikation? Was nimmst du jetzt in dir wahr, während du an das Thema und seine Auswirkungen denkst?

2. Positive Vision kreieren

Wie anders hättest du es gerne? Was würde dir wirklich gut tun in diesem Bereich? Was für ein Bedürfnis von dir kommt zu kurz? Wenn du den Mut hättest, was würdest du anders machen? – Bringe deine volle Aufmerksamkeit in deinen Herzraum. Lass diese Fragen in dich hineinsinken und vertraue, dass sie empfangen werden von dem Ort von Stille und Weisheit in dir. Und dann horche auf das, was sich dir zeigt: Gefühle, Bilder, Impulse. Achte auf das, was dich weiter, leichter, weicher, wärmer, heller werden lässt. Das, was dich berührt, weil es wesentlich ist für dich, weil es etwas trifft, was du wirklich von Herzen gerne willst.

3. Hindernisse erkennen

Es kann sehr wohl passieren, dass sich dir in diesem Prozess Einwände in die Quere stellen, wie: «Das hat doch keinen Sinn. – Da habe ich ja nun schon oft genug versagt. – Ich kann doch nicht… – Solange XY sich nicht ändert, geht da gar nichts.» usw. Schau, ob du die -blockierenden Glaubenssätze und Überzeugungen erkennen und einfach wahrnehmen kannst, was sie in dir auslösen. Vielleicht lassen sie dich eng, verschlossen, angespannt werden. Hier ist möglicherweise ein Punkt, an dem du deine Vision schon mehrmals aufgegeben hast.
Beobachte möglichst ohne Bewertung, was passiert – und bleib jetzt dran!

4. Nächster Schritt: Entscheidung treffen

Was für eine Entscheidung bist du bereit zu treffen in Bezug auf dein Thema? Eine Entscheidung für einen kleinen konkreten, realistischen Schritt auf deine positive Vision zu. Wie wird er aussehen? Wann wirst du damit beginnen? Freue dich darauf!

5. Anerkennen

Anerkenne dir liebevoll, dass du dir Zeit genommen hast, achtsam hineinzuhorchen, dich ernst zu nehmen und aktiv zu werden mit einem konkreten Schritt in Richtung auf ein herzhafteres Leben, das dich mit freudiger Würde erfüllt, weil du das tust, was du wirklich von Herzen gerne tun willst.

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